Ein denkmalgeschütztes Haus zu sanieren, ist wie ein altes Gemälde restaurieren: Man will es erhalten, nicht verändern. Doch die Heizkosten steigen, die Wände sind kalt, und der Schimmel in der Ecke macht Sorgen. Was tun? Die Außendämmung ist meist tabu - das äußere Erscheinungsbild muss bleiben. Also bleibt nur eine Lösung: Innendämmung. Doch sie birgt Risiken, die viele unterschätzen. Wer sie richtig macht, spart Heizkosten und rettet das Gebäude. Wer sie falsch angeht, riskiert Schimmel, Holzschäden und sogar eine Auflage der Denkmalschutzbehörde.
Warum Innendämmung bei historischen Häusern notwendig ist
In Österreich und Deutschland gibt es über 600.000 denkmalgeschützte Gebäude. Die meisten davon sind aus den Jahren 1850 bis 1930 - massiv gebaut mit Ziegel, Stein oder Fachwerk. Ihre Außenwände sind oft 50 bis 80 Zentimeter dick, aber ohne Dämmung. Das heißt: Heizwärme entweicht wie aus einem Sieb. In einem typischen Gründerzeithaus ohne Dämmung kann der Wärmeverlust durch die Außenwände bis zu 40 % ausmachen. Die Lösung? Eine Dämmung, die von innen kommt. Denn eine Außendämmung wäre bei diesen Häusern ein Eingriff in den historischen Charakter - und fast immer untersagt. Laut dem Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr (2021) wird nur in 15 % der Fälle eine Außendämmung genehmigt. Innendämmung dagegen ist in 75 % der Anträge erlaubt. Sie verändert nichts an der Fassade, nicht am Ziegel, nicht am Holzbalken, nicht an den Fenstern. Sie bleibt unsichtbar. Und das ist ihr größter Vorteil.Welche Materialien funktionieren - und welche nicht
Nicht jedes Dämmmaterial ist für ein historisches Haus geeignet. Einige sind wie ein Plastikfolienmantel: Sie sperren die Feuchtigkeit ein. Und das ist der Hauptgrund für Schimmel und Holzschäden. Die richtigen Materialien dagegen atmen. Sie nehmen Feuchtigkeit auf, speichern sie kurz und geben sie wieder ab. Drei Materialien haben sich als besonders zuverlässig erwiesen:- Kalziumsilikatplatten: Mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,045-0,050 W/(m·K) und einer Dampfdiffusionswiderstandszahl (μ) unter 15 sind sie diffusionsoffen und kapillaraktiv. Sie regulieren die Luftfeuchtigkeit selbst - bei bis zu 95 % relativer Luftfeuchtigkeit. Kein Schimmel. Kein Risiko. Diese Platten sind heute die Standardlösung für denkmalgeschützte Gebäude.
- Aerogelplatten: Sie sind dünn, aber extrem leistungsfähig. Mit nur 10-20 mm Dicke erreichen sie eine Wärmeleitfähigkeit von 0,015-0,020 W/(m·K). Das ist fast dreimal besser als herkömmliche Dämmung. Sie eignen sich besonders gut, wo Platz knapp ist - etwa an Fensterlaibungen oder unter Deckenbalken. Aber sie sind teuer und müssen von Fachleuten verarbeitet werden.
- Biobasierte Dämmstoffe (Hanf, Holzfaser, Stroh): Diese Materialien haben eine Wärmeleitfähigkeit von 0,035-0,045 W/(m·K) und arbeiten am besten mit Lehm- oder Kalkputzen. Sie sind umweltfreundlich, regen die Luftfeuchtigkeit an und passen sich gut an alte Mauern an. Allerdings müssen sie trocken verarbeitet werden - und dürfen nicht mit Zementputz überzogen werden.
Was nicht funktioniert? Polystyrol (Styropor), Polyurethan oder andere geschlossenzellige Kunststoffe. Sie blockieren die Feuchtigkeit. Und das führt zu Feuchtigkeitsschäden - oft erst nach 12 bis 18 Monaten. Dann ist es zu spät.
Die größten Risiken - und wie man sie vermeidet
Die größte Gefahr bei Innendämmung ist nicht das Material, sondern die Planung. Viele Hausbesitzer denken: „Ich kaufe Platten, klebe sie an die Wand, fertig.“ Das ist ein Fehler. Die folgenden Risiken treten am häufigsten auf:- Feuchtigkeit im Holz: Bei Holzbalkendecken steigt die Feuchtigkeit um bis zu 25 %, wenn das Dämmmaterial nicht diffusionsoffen ist. Das führt zu Fäulnis, Pilzbefall und schließlich zu Tragwerkschäden. Die Deutsche Gesellschaft für Holzschutz warnt: „Ein falsches Dämmmaterial kann die Lebensdauer von Holzbalken um 30 Jahre verkürzen.“
- Wärmebrücken: An Fensterlaibungen, Deckenanschlüssen oder Rohrleitungen entstehen Kältebrücken. Dort kondensiert die Luftfeuchtigkeit - und bildet Schimmel. Hier hilft nur ein spezielles System: Die RigiTherm-ThermoProfil-Leiste von Rigips. Sie sorgt für einen dichten, wärmebrückenfreien Übergang zwischen Dämmung und Fenster.
- Unzureichende Untergrundvorbereitung: 42 % aller Schäden entstehen, weil die Wand vorher nicht sauber, trocken oder fest war. Alte Putzschichten müssen entfernt werden. Feuchte Stellen müssen getrocknet - nicht abgedeckt. Sonst wird die Feuchtigkeit unter der Dämmung eingeschlossen.
- Keine Genehmigung: Wer ohne Genehmigung der Denkmalschutzbehörde arbeitet, riskiert eine Rüge, eine Geldstrafe - oder sogar die Zwangsentfernung der Dämmung. In einem Fall in Linz wurden 9.200 € für die Entfernung und 1.500 € Strafe fällig.
Die Lösung? Drei Schritte:
- Bauphysikalische Berechnung: Nutzen Sie das WUFI-Programm. Es simuliert, wie Feuchtigkeit in der Wand über ein Jahr hinweg fließt. Nur so erkennen Sie, ob das Material passt.
- Genehmigung einholen: Reichen Sie die Berechnungen, Materialien und Konstruktionspläne bei der Denkmalschutzbehörde ein. Die Bearbeitungszeit beträgt 8-12 Wochen.
- Fachbetrieb beauftragen: Innendämmung ist kein Heimwerkerprojekt. Nur ein Fachmann mit Erfahrung in denkmalgeschützten Gebäuden kann die Anschlüsse, Anschlüsse und Übergänge richtig machen.
Was kostet das - und lohnt es sich?
Die Kosten für eine Innendämmung liegen zwischen 120 und 180 € pro Quadratmeter - inklusive Material, Arbeit und Anschlussdetails. Für ein 100 m² großes Wohnzimmer sind das 12.000 bis 18.000 €. Klingt viel. Aber: Die Energieeinsparung liegt bei 20-30 %. In einem Haus mit 3.000 € Heizkosten pro Jahr bedeutet das eine Einsparung von 600 bis 900 € jährlich. Die Investition amortisiert sich in 12-18 Jahren. Hinzu kommt: Ein gut gedämmtes Haus ist angenehmer, trockener, gesünder. Und es behält seinen Wert - oder steigt sogar.Im Vergleich zu einer Außendämmung (die bis zu 50 % Energieeinsparung bringt) ist die Innendämmung weniger effizient. Aber sie ist die einzige, die bei denkmalgeschützten Gebäuden erlaubt ist. Und sie funktioniert - wenn sie richtig gemacht wird.
Was passiert nach der Installation?
Die Dämmung ist eingebaut. Aber das ist nicht das Ende. In den ersten 12-18 Monaten passieren die meisten Probleme. Deshalb:- Beobachten: Prüfen Sie regelmäßig die Wände - besonders an Fenstern, Decken und Ecken. Schimmel? Feuchtigkeit? Sofort den Fachmann rufen.
- Lüften: Die Luftwechselrate muss um 15-20 % erhöht werden. Täglich 2-3 Mal stoßlüften - nicht nur morgens. Lüften ist jetzt wichtiger als je zuvor.
- Feuchtesensoren einbauen: Das ifb Institut in Ilmenau empfiehlt, an kritischen Stellen (z. B. hinter dem Dämmstoff) Feuchtesensoren zu installieren. Sie warnen vor Feuchtigkeit, bevor der Schimmel sichtbar wird.
Ein Nutzer aus Klagenfurt berichtete auf einem Forum: „Nach drei Jahren keine Probleme. Die Heizkosten sind um 28 % gesunken. Und die Wände sind warm - endlich.“
Die Zukunft der Innendämmung
Die Technik entwickelt sich weiter. Im September 2025 hat Rigips sein RigiTherm-System aktualisiert. Die neue Version 2.0 reduziert das Feuchtigkeitsrisiko um 15 %. Und im Mai 2026 soll ein neues, reversibles System vorgestellt werden - das man wieder abnehmen kann, ohne die Wand zu beschädigen. Das wäre ein Durchbruch. Denn: Der Denkmalschutz will keine dauerhaften Eingriffe. Er will Lösungen, die rückgängig gemacht werden können. Die Forschung geht in diese Richtung: dünnere, stärkere, intelligente Dämmstoffe. Aerogelkomposite mit einer Wärmeleitfähigkeit unter 0,010 W/(m·K) sind schon in der Testphase. Sie könnten in zehn Jahren die Standardlösung sein.Was bleibt? Die Regel: Was nicht notwendig ist, muss nicht getan werden. Was getan wird, muss rückgängig gemacht werden können. Das ist die Philosophie des Denkmalschutzes. Und das ist die Philosophie der modernen Innendämmung.