Elektroinstallation im Keller oder Dachboden: Was Sie unbedingt beachten müssen

Elektroinstallation im Keller oder Dachboden: Was Sie unbedingt beachten müssen

Ein Keller oder Dachboden klingt erst mal wie ein einfacher Speicherplatz. Doch wenn du dort Strom verlegen willst - für eine Werkstatt, ein Homeoffice oder einfach mehr Licht - dann wird es kompliziert. Nicht, weil es schwer ist, sondern weil hier Elektroinstallation ganz andere Regeln hat als im Wohnzimmer. Viele machen den Fehler, einfach wie im Rest des Hauses zu installieren. Das ist gefährlich. Und oft auch gesetzlich verboten.

Warum Keller und Dachboden nicht gleich sind

Keller und Dachboden sind keine normalen Räume. Sie haben ihre eigenen Probleme. Der Keller ist feucht. Die Luft hängt schwer, Wände schwitzen, und im Winter kann es hier zu Pfützen kommen. Der Dachboden dagegen ist trocken - aber im Sommer wird er zur Ofenhitze. Bis zu 55 Grad Celsius können dort herrschen, wenn die Sonne aufs Dach brennt. Und Staub? Der liegt überall, besonders wenn du mal ein paar Bretter wegnimmst oder eine Dachrinne reparierst.

Die Norm DIN 18015-2:2008-05 sagt klar: Keller gilt als Feuchtraum. Dachboden als Trockenraum. Das klingt einfach. Aber es hat Konsequenzen. In Kellern brauchst du andere Kabel, andere Steckdosen, andere Schutzschalter. Und im Dachboden? Da zählt die Temperatur. Und die IP-Schutzart.

Was du im Keller unbedingt brauchst

Wenn du im Keller Licht oder Steckdosen einbaust, musst du an drei Dinge denken: Feuchtigkeit, Potentialausgleich und Schutz.

Erstens: Feuchtigkeit. Jede Steckdose, jede Leuchte, jeder Schalter muss mindestens die Schutzart IPX4 haben. Das bedeutet: Spritzwasser von allen Seiten ist kein Problem. Ein billiger Wandstecker aus dem Baumarkt? Der hält nicht. Du brauchst spezielle Geräte mit Dichtungen. Und die Kabel? Nur Kupfer. Aluminiumkabel sind in Kellern verboten. Sie oxidieren, werden brüchig, und das kann zu Kurzschlüssen führen.

Zweitens: Potentialausgleich. Das ist das Wichtigste, was viele vergessen. In feuchten Räumen kann sich elektrische Spannung auf Metallteilen ansammeln - auf Heizungsrohren, Wasserleitungen, sogar auf Stahlträgern. Wenn du dich da berührst, während du eine Steckdose berührst, kann es dich treffen. Deshalb muss alles im Keller mit einem Potentialausgleichsleiter verbunden sein. Das ist kein optionaler Zusatz. Das ist Pflicht. Laut VDE-Prüfberichten war in 78 % der beanstandeten Kellerinstallationen genau dieser Leiter nicht richtig angeschlossen.

Drittens: Steckdosen richtig positionieren. Sie dürfen nicht direkt auf den Boden. Mindestens 30 cm über dem Fußboden. Warum? Weil bei einer Überschwemmung, sei es durch ein defektes Rohr oder einen Starkregen, das Wasser nicht bis zur Steckdose reichen soll. Und die Leitungen? Verlege sie entweder in Leerrohren oder in Kabelkanälen. So kannst du später leicht nachbessern, ohne die Wand aufzuschlagen.

Was du im Dachboden nicht vergessen darfst

Im Dachboden ist es nicht die Feuchtigkeit, die dich umbringt - sondern die Hitze und der Staub.

Erstens: Temperaturbelastung. Wenn du in einem Dachboden eine Leitung verlegst, die im Sommer 55 Grad erreicht, dann wird der Kupferleiter heiß. Und heißer Kupferleiter bedeutet geringere Leitfähigkeit. Das heißt: Du brauchst einen größeren Querschnitt. Wer hier mit 4 mm² arbeitet, macht einen klassischen Fehler. Die VDE-Empfehlung: Mindestens 6 mm², wenn du eine 35-A-Sicherung verwendest. Das ist nötig, wenn du später ein Homeoffice mit PC, Drucker und Beleuchtung betreiben willst. 4 mm² reichen für 16 A - aber nicht, wenn die Leitung von unten kommt und lang ist.

Zweitens: IP-Schutzart. Im Dachboden brauchst du nicht IPX4 wie im Keller. Aber IP20 ist auch nicht genug. Wenn Staub von der Dachdecke herunterfällt, wenn du mal ein paar Dachsparren bearbeitest, dann kann sich Staub in den Steckdosen ansammeln. Das führt zu Kurzschlüssen. Daher: IP54 für Steckdosen und Lichtschalter. Das hält Staub und Spritzwasser ab. Leuchten für den Dachboden? Nur mit geschlossenem Gehäuse. Keine offenen Glühbirnen.

Drittens: Keine Nachrüstung von einer Leitung aus dem Keller. Viele denken: „Ich zieh einfach eine Leitung vom Keller hoch und verteile da oben.“ Das funktioniert - bis es nicht mehr funktioniert. Wenn du drei Steckdosen, ein Licht und später noch einen PC, einen Drucker und eine Heizung anschließt, dann überlastest du die Leitung. Die Lösung: Ein eigener kleiner Verteilerkasten im Dachboden mit drei Sicherungsautomaten. Ein für Licht, zwei für Steckdosen. So bleibt alles stabil. Und du kannst bei einer Überlast nur den Dachboden abschalten - nicht das ganze Haus.

Dachboden mit IP54-Steckdose, 6 mm² Kabel in Kabelkanal und Verteilerkasten an Holzbalken.

Die wichtigsten Regeln auf einen Blick

  • Keller: Nur Kupferkabel. IPX4 oder höher. Steckdosen mindestens 30 cm über Boden. Potentialausgleichspflichtig. FI-Schutzschalter mit 30 mA Pflicht seit Juni 2023.
  • Dachboden: Nur Kupferkabel. Mindestens 6 mm² Querschnitt bei 35 A Sicherung. IP54 für Steckdosen und Schalter. Keine Leitung vom Keller ohne eigenen Verteiler. FI-Schutzschalter mit 30 mA Pflicht seit Juni 2023.
  • Beide Räume: Keine Aluminiumkabel. Keine billigen Steckdosen. Keine Leitungen ohne Skizze. Immer eine Zeichnung machen - wo läuft was? Sonst wirst du in 5 Jahren nicht mehr wissen, wo das Kabel ist.

Was kostet das?

Eine professionelle Elektroinstallation im Keller kostet durchschnittlich 1.850 €. Warum mehr als im Dachboden? Weil es aufwendiger ist. Du musst oft Putz aufmachen, Leerrohre verlegen, Potentialausgleich anschließen, Feuchtigkeit prüfen. Im Dachboden ist es einfacher. Hier kannst du oft Aufputz-Installationen machen - Kabelkanäle an der Decke oder Wand. Das spart Zeit. Deshalb liegt der Durchschnitt hier bei 1.420 €.

Aber: Wenn du es selbst machst, sparest du Geld - aber riskierst Sicherheit. 63 % der Fehler in Foren kommen von Selbstmachern. Die häufigste Fehlerquelle? Zu dünne Leitungen. Wer mit 4 mm² arbeitet, hat später Probleme. Und die Versicherung zahlt nicht, wenn du gegen die Normen verstößt.

Vergleich: Links verbotene Aluminiumkabel im Keller, rechts normgerechte Kupferleitung im Dachboden.

Was kommt als Nächstes?

Die Regeln ändern sich. Seit Juni 2023 gilt für alle neuen Installationen in Kellern und Dachböden: FI-Schutzschalter mit 30 mA. Das ist kein Vorschlag - das ist Gesetz. Und ab 2024 wird die nächste Version der DIN 18015-2 kommen. Dann wird es klare Regeln für E-Auto-Ladestationen im Keller geben. Denn fast die Hälfte der E-Auto-Besitzer will ihr Fahrzeug im Keller laden. Das braucht spezielle Leitungen, separate Schutzschalter und oft sogar eine eigene Zuleitung.

Und dann ist da noch die Photovoltaik. Immer mehr Leute installieren Solarpaneele auf dem Dach - und die Kabel laufen durch den Dachboden. Das ist kein Problem - solange du Solarstrom und Hausstrom trennst. Sonst kann es zu gefährlichen Überspannungen kommen.

Was tun, wenn du unsicher bist?

Wenn du nicht weißt, ob deine Leitung 6 mm² hat, ob der Potentialausgleich richtig ist oder ob deine Steckdose IP54 ist - dann lass dich beraten. Ein Elektrofachbetrieb kostet 80-120 € für eine Inspektion. Das ist Geld, das du nicht sparen solltest. Denn eine falsche Installation kann nicht nur den Strom ausmachen - sie kann dein Haus in Brand setzen.

Du willst einen Dachboden zum Büro machen? Dann plane es von Anfang an. Zieh die Leitungen groß genug. Schalte sie richtig ab. Und lass dich nicht von Billigangeboten locken. In Kellern und Dachböden zählt nicht die Schnelligkeit - sondern die Sicherheit.

Darf ich im Keller Aluminiumkabel verwenden?

Nein, Aluminiumkabel sind in Kellern und Dachböden verboten. Sie oxidieren bei Feuchtigkeit, werden brüchig und können zu Überhitzung und Kurzschlüssen führen. Nur Kupferkabel sind zulässig - das ist in der DIN 18015-2 und VDE 0100-701 klar geregelt.

Wie hoch müssen Steckdosen im Keller sein?

Steckdosen im Keller müssen mindestens 30 cm über dem Boden montiert sein. Das schützt sie vor Wasserschäden bei Überschwemmungen. Auch wenn du keinen Keller als Wohnraum nutzt - wenn er Teil der Wohnung ist, gilt diese Regel.

Warum braucht der Dachboden einen eigenen Verteilerkasten?

Ein eigener Verteiler verhindert Überlastungen. Wenn du alle Geräte im Dachboden über eine einzige Leitung vom Keller versorgst, reicht die Kapazität oft nicht aus - besonders bei Heizgeräten, PCs oder Werkzeugen. Ein eigener Verteiler mit 35-A-Sicherung und separaten Stromkreisen macht die Installation sicher und erweiterbar.

Ist ein FI-Schutzschalter im Dachboden Pflicht?

Ja. Seit Juni 2023 schreibt die novellierte DIN VDE 0100-550 für alle neuen Installationen in Kellern und Dachböden einen FI-Schutzschalter mit 30 mA vor - unabhängig von der Nutzung. Das gilt auch für alte Gebäude, wenn du eine Erneuerung oder Erweiterung vornimmst.

Wie erkenne ich, ob eine Steckdose die richtige IP-Schutzart hat?

Schau auf das Etikett oder das Gehäuse. IPX4 bedeutet spritzwassergeschützt, IP54 bedeutet staubgeschützt und spritzwassergeschützt. Beide sind für Keller und Dachboden geeignet. IP20 ist nur für trockene, saubere Räume wie Wohnzimmer - nicht für Keller oder Dachboden.

Was kostet eine professionelle Elektroinstallation im Dachboden?

Eine professionelle Installation im Dachboden kostet durchschnittlich 1.420 €. Das beinhaltet zwei Steckdosenkreise, einen Lichtkreis, einen Verteilerkasten und die Verlegung mit Kabelkanälen. Bei einfacher Aufputz-Installation kann es auch etwas günstiger sein - aber nie unter 1.200 €, wenn alles sicher und normgerecht ist.

1 Kommentare

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    Alexander Hickey Februar 2, 2026 AT 21:02

    Ich hab mal nen Keller mit 4mm² Kabel ausgelegt - und nach 2 Jahren brannte die Steckdose durch. Keine Versicherung, kein Geld zurück. Wer das liest und noch denkt "das reicht schon" - du bist schon der Typ, der den Motorradhelm vergisst und dann wundert, warum er nen Schädelbruch hat. Einfach nur traurig.

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