Wenn Sie Ihre Immobilie sanieren, ändert sich nicht nur das Aussehen Ihres Hauses - es verändert sich auch sein Wert. Und mit dem Wert ändert sich etwas Wichtiges, das viele übersehen: Ihre Versicherung. Viele Hausbesitzer denken, dass eine Renovierung oder Modernisierung nur ein bisschen mehr Arbeit und Kosten bedeutet. Doch die Wahrheit ist: Ohne Versicherungscheck nach Sanierung riskieren Sie im Ernstfall, dass Ihre Versicherung nicht mehr ausreicht - und Sie selbst für den Unterschied aufkommen müssen.
Warum Sie nach jeder Sanierung Ihre Versicherung überprüfen müssen
Jede Sanierungsmaßnahme, die den Wert Ihrer Immobilie erhöht, gilt rechtlich als "Gefahrenerhöhung". Das steht klar im Versicherungsvertragsgesetz (§ 97 VVG). Das bedeutet: Sie müssen Ihren Versicherer informieren. Nicht umsonst. Nicht als freundliche Mitteilung. Sondern als Pflicht. Wenn Sie das nicht tun, kann die Versicherung im Schadensfall komplett ablehnen - selbst wenn der Schaden durch einen versicherten Fall wie Feuer oder Sturm verursacht wurde. Laut einer Studie der DSL Bank aus 2023 sind 62,4 % der deutschen Immobilienbesitzer nach einer Sanierung unterversichert. Das heißt: Sie haben eine Versicherungssumme, die nicht mehr dem tatsächlichen Wert Ihres Hauses entspricht. Bei einem Brand oder schweren Wasserschaden könnte das bedeuten, dass Sie nur 70 %, 60 % oder sogar weniger der Kosten erstattet bekommen. Der Rest bleibt auf Ihnen liegen. Und das ist kein kleiner Betrag. Eine durchschnittliche Sanierung steigert den Wert einer Immobilie um 15 bis 25 %. Bei einem Haus mit einem Neubauwert von 300.000 Euro bedeutet das eine Wertsteigerung von bis zu 75.000 Euro. Wenn Ihre Versicherung nicht angepasst wird, haben Sie plötzlich eine Lücke von 75.000 Euro - und das ist kein theoretisches Szenario. Es passiert täglich.Wie wird die Versicherungssumme berechnet?
Viele Versicherer nutzen den sogenannten Wohnflächentarif. Das heißt: Sie multiplizieren die Wohnfläche Ihres Hauses mit einem festen Preis pro Quadratmeter. Laut Gothaer Versicherung liegt dieser Wert zwischen 2.500 und 3.000 Euro pro Quadratmeter. Das klingt einfach - aber hier lauern die Fehler. Ein typischer Fehler: Balkone und Terrassen werden nur zu 50 % in die Wohnfläche einbezogen. Prof. Dr. Sabine Lorenz von der Frankfurt School of Finance & Management hat nachgewiesen, dass dadurch bei vielen Häusern systematisch 7,2 % der tatsächlichen Wohnfläche unterschlagen werden. Wenn Ihr Haus 150 Quadratmeter Wohnfläche hat, sind das 10,8 Quadratmeter, die nicht richtig versichert sind. Das entspricht einem Wertverlust von bis zu 32.400 Euro - wenn Sie den vollen Preis von 3.000 Euro pro Quadratmeter ansetzen. Noch kritischer ist die Baupreisentwicklung. Die Kosten für Bauarbeiten steigen jedes Jahr. Laut GDV steigen sie durchschnittlich um 3,5 % pro Jahr. Aber nur 43 % aller Policen enthalten den sogenannten "gleitenden Neuwert Plus", der automatisch die Versicherungssumme anpasst. Wenn Ihre Versicherung das nicht hat, müssen Sie selbst handeln - und das oft jährlich. Sonst verlieren Sie mit der Zeit immer mehr Deckung.
Was genau müssen Sie nach der Sanierung tun? Ein Schritt-für-Schritt-Plan
Ein Versicherungscheck nach Sanierung ist kein komplizierter Prozess - aber er muss systematisch sein. Hier ist, was Sie wirklich tun müssen:- Dokumentieren Sie alles. Sammeln Sie Rechnungen, Baupläne, Fotos vorher und nachher. Besonders wichtig: Nachweise für energetische Sanierungen (GEG-Nachweis). Die SparkassenVersicherung und andere Anbieter bieten digitale Upload-Tools an - nutzen Sie sie. Wer keine Belege hat, hat keine Chance auf eine korrekte Anpassung.
- Berechnen Sie den neuen Neubauwert. Nutzen Sie entweder den Wohnflächentarif (wenn Ihre Versicherung das anbietet) oder beauftragen Sie einen Sachverständigen. Der Preis dafür liegt zwischen 150 und 500 Euro - aber er spart Ihnen später Tausende. Laut Verivox kostet ein professioneller Check durchschnittlich 185 Euro. Die Nichtdurchführung kann im Schadensfall durchschnittlich 14.300 Euro Zusatzkosten bedeuten.
- Melden Sie die Gefahrenerhöhung innerhalb von 14 Tagen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Zögern Sie nicht. Versicherer haben klare Fristen, und wer zu spät meldet, verliert Ansprüche. Dazu gehören nicht nur neue Wände oder Fenster, sondern auch: vorübergehender Leerstand (über 60 Tage), Gerüste an der Fassade oder Änderungen an der Wohnfläche.
- Verhandeln Sie die neue Versicherungssumme und Prämie. Nicht alle Versicherer reagieren gleich. Einige erhöhen die Prämie nur um 8,7 %, andere um 12,3 %. Fragen Sie nach dem "gleitenden Neuwert Plus". Fragen Sie nach dem "Sanierungsbonus" der KfW - der ermöglicht seit 2023 eine kostenfreie Anpassung bei energetischen Sanierungen.
- Prüfen Sie die neue Versicherungsurkunde. Vergleichen Sie sie mit Ihren Unterlagen. Prüfen Sie, ob Elementarschäden (Hochwasser, Sturm, Hagel) voll abgedeckt sind. Vor allem bei Sanierungen in Hochwassergebieten ist das heute unverzichtbar. Laut GDV müssen 78 % der modernisierten Gebäude diese Risiken abdecken.
Was passiert, wenn Sie es nicht tun?
Die Deutsche Schadenshilfe berichtet, dass 63 % der Streitfälle zwischen Versicherern und Versicherten zugunsten der Versicherer entschieden werden - weil die Hausbesitzer ihre Meldungspflicht ignoriert haben. Das heißt: Sie haben einen Schaden, aber die Versicherung zahlt nicht. Und das, obwohl Sie eine Versicherung haben. Ein Beispiel aus einem Forum: Ein Nutzer renovierte sein Dach für 25.000 Euro Eigenleistung. Er dachte, das reicht. Jahre später brannte das Haus. Die Versicherung zahlte nur 67 % der Kosten. Der Grund? Die Versicherungssumme war nie angepasst worden. Er musste 16.000 Euro selbst zahlen - für eine Sanierung, die er eigentlich als Wertsteigerung betrachtet hatte. Besonders kritisch ist das bei Altbauten vor 1977. Laut Verivox lehnen Versicherer bei 37 % der Sanierungsprojekte in diesen Häusern die Anpassung ab - besonders bei Heizungs- oder Elektro-Modernisierungen. Warum? Weil sie das Risiko als zu hoch einstufen. Aber das ist kein Grund, nichts zu tun. Sondern ein Grund, frühzeitig zu handeln. Suchen Sie einen Makler, der sich mit Altbausanierungen auskennt.
Was Sie sonst noch wissen sollten
Nicht alle Sanierungen sind gleich. Ein neuer Anstrich oder neue Fliesen in der Küche - das ist kosmetisch. Wenn die Wertsteigerung unter 5 % liegt, brauchen Sie keinen umfassenden Check. Aber bei energetischen Sanierungen - wie Dämmung, neue Fenster, Heizung oder Solaranlage - ist der Check Pflicht. Die KfW hat hier sogar einen Bonus eingeführt: Wenn Sie einen energetischen Sanierungs- und Modernisierungsplan vorlegen, zahlt die KfW die Versicherungsanpassung sogar kostenlos. Auch die Bauherrenhaftpflichtversicherung ist wichtig. Wenn Sie selbst Hand anlegen, ist die private Haftpflichtversicherung nicht ausreichend. Sie deckt nur kleine Arbeiten ab. Für Sanierungen über 20.000 Euro sollten Sie immer eine spezielle Bauherrenhaftpflicht abschließen. Laut Bund der Versicherten ist das bei 92 % der größeren Projekte nötig. Und: Die Digitalisierung schreitet voran. SparkassenVersicherung, Allianz und andere bieten KI-gestützte Tools an, die die Versicherungssumme automatisch berechnen - wenn Sie die Dokumente hochladen. Das reduziert Fehler um bis zu 62 %. Nutzen Sie diese Tools. Sie sparen Zeit, Geld und Stress.Was bleibt: Handeln Sie - nicht warten
Ein Versicherungscheck nach Sanierung ist kein Luxus. Er ist eine Notwendigkeit. Es geht nicht um Angst. Es geht um Sicherheit. Sie haben investiert. Sie haben Ihre Immobilie verbessert. Jetzt sorgen Sie dafür, dass diese Investition auch versichert ist. Fragen Sie Ihren Versicherer. Holen Sie sich die Unterlagen. Machen Sie den Check. Nutzen Sie die digitalen Tools. Nutzen Sie den KfW-Sanierungsbonus. Und vergessen Sie nicht: Jeder Tag, den Sie warten, ist ein Tag, an dem Sie unversichert sind.Was passiert, wenn ich die Gefahrenerhöhung nicht melde?
Wenn Sie eine Sanierung nicht melden, verlieren Sie im Schadensfall möglicherweise Ihren Anspruch auf Leistungen. Die Versicherung kann komplett ablehnen - sogar bei versicherten Risiken wie Feuer oder Sturm. Das ist kein theoretisches Risiko: 63 % der Streitfälle werden zugunsten der Versicherer entschieden, weil die Versicherten ihre Meldungspflicht verletzt haben.
Wie viel kostet ein Versicherungscheck nach Sanierung?
Ein professioneller Check durch einen Sachverständigen kostet zwischen 150 und 500 Euro. Ein einfacher Check über die Versicherungskunden-App oder einen Makler ist oft kostenlos. Im Vergleich: Die Nichtdurchführung kann im Schadensfall durchschnittlich 14.300 Euro Zusatzkosten verursachen. Der Check lohnt sich also in jedem Fall.
Muss ich auch bei kleinen Renovierungen meine Versicherung anpassen?
Nur, wenn der Wert der Immobilie um mehr als 5 % steigt. Kosmetische Arbeiten wie neue Farbe oder Fliesen reichen meist nicht aus. Aber bei energetischen Sanierungen - wie Dämmung, neue Fenster oder Heizung - ist immer eine Anpassung nötig. Hier steigt der Wert oft um 15 % oder mehr.
Was ist der "gleitende Neuwert Plus"?
Das ist eine Klausel in Ihrer Versicherung, die automatisch die Versicherungssumme jährlich um mindestens 3,5 % anpasst - entsprechend der Baupreisentwicklung. Nur 43 % der Policen enthalten diese Klausel. Wenn Sie sie nicht haben, müssen Sie selbst die Summe jedes Jahr neu berechnen und melden.
Kann ich meine Versicherung nach einer Sanierung ablehnen?
Ja, das kann passieren - besonders bei Altbauten vor 1977, wenn Sie Heizung oder Elektrik modernisieren. Die Versicherer sehen das als erhöhtes Risiko. Aber das bedeutet nicht, dass Sie versichert bleiben müssen. Suchen Sie einen anderen Anbieter oder einen Makler, der speziell auf Altbausanierungen spezialisiert ist. Es gibt immer eine Lösung.