Wenn du dein Zuhause neu planst, renovierst oder baut, dann ist die Elektroinstallation eines der wichtigsten, aber oft unterschätzten Themen. Ein falsch platziertes Steckdose kann später zu Kabelsalat, Verlängerungskabeln über den Boden oder sogar zu gefährlichen Situationen führen. Die DIN 18015 ist die entscheidende Norm, die in Deutschland für Wohngebäude gilt - und sie sagt genau, wo, wie viele und wie hoch Steckdosen und Schalter sein müssen. Es geht nicht nur um Sicherheit, sondern um echten Komfort im Alltag.
Was ist die DIN 18015 und warum ist sie wichtig?
Die DIN 18015 ist keine Empfehlung - sie ist eine verbindliche Norm. Die aktuelle Fassung, DIN 18015-1:2021-10, trat am 1. Oktober 2021 in Kraft und gilt für alle Neubauten und größeren Renovierungen. Sie legt fest, wie viele Steckdosen und Schalter du in jedem Raum brauchst, wo sie platziert werden müssen und wie die Leitungen verlaufen. Wer diese Regeln ignoriert, riskiert nicht nur Ärger bei der Abnahme, sondern auch später Unannehmlichkeiten: ein Fernseher, den du nicht anstecken kannst, oder ein Ladekabel, das über den ganzen Boden verläuft.
Die Norm ist in drei Teile unterteilt: Teil 1 behandelt die Grundausstattung, Teil 2 die Kommunikationsanschlüsse und Teil 3 spezielle Anforderungen, etwa für Barrierefreiheit oder Smart-Home-Systeme. Für die meisten Hausbesitzer ist Teil 1 am relevantesten - besonders die Vorgaben zu Steckdosen und Lichtschaltern.
Wie hoch sollten Steckdosen und Schalter sein?
Die Höhe ist kein Geschmacksurteil - sie ist technisch festgelegt. Steckdosen gehören zwischen 30 cm und 150 cm über dem fertigen Boden. Warum dieser Bereich? Weil er für die meisten Menschen bequem erreichbar ist, ohne sich bücken oder auf Zehenspitzen stellen zu müssen. Eine Steckdose zu niedrig, etwa 10 cm über dem Boden, ist eine Stolperfalle - besonders für Kinder oder ältere Menschen. Eine zu hohe, etwa über 160 cm, ist praktisch nutzlos für Lampen, Ladegeräte oder Kaffeemaschinen.
Lichtschalter hingegen werden meist in einer Höhe von 100 cm bis 110 cm montiert. Das ist die Standardhöhe für Türgriffe und hat sich über Jahrzehnte bewährt. Es ist intuitiv: Du betrittst einen Raum, greifst zur Türklinke, und deine Hand liegt automatisch am Schalter. Kein Umherirren im Dunkeln nötig.
Wichtig: Die Abstände zwischen den Einzelanschlüssen sind genormt. Die Mitte zu Mitte beträgt 71 bis 72 mm. Das klingt klein, aber es macht einen großen Unterschied, wenn du später einen 5-fach-Rahmen montierst - nur so passt alles sauber zusammen. Viele Hersteller wie Gira oder Busch-Jaeger bauen ihre Rahmen genau nach diesem Standard. Wenn du dich nicht daran hältst, wird es später unordentlich.
Wie viele Steckdosen braucht jeder Raum?
Die Norm gibt klare Mindestzahlen vor - aber in der Praxis reicht das oft nicht mehr aus. Hier ist die Realität:
- Wohnzimmer: Mindestens 4 Steckdosen. Aber mit Fernseher, Soundbar, Spielekonsole, Lampe, Ladegeräten und Smart-Home-Geräten brauchst du mindestens 6-8. Platziere zwei an der Wand, wo der Fernseher steht, zwei an der Couchseite für Lampen oder Lautsprecher, und zwei an einer freien Wand für zukünftige Geräte.
- Schlafzimmer: Pro Bettplatz brauchst du mindestens zwei Steckdosen - das ist Pflicht. Dazu eine für die Nachttischlampe und eine für das Handy-Ladegerät. In der Mitte der Wand, etwa 30 cm von der Ecke entfernt, ist ideal. So kannst du Bett und Nachttisch frei stellen, ohne Kabel zu verlegen.
- Küche: Hier wird’s kompliziert. Die Norm verlangt mindestens 3 Steckdosen - aber du brauchst deutlich mehr. Kaffeemaschine, Toaster, Mixer, Spülmaschine, Herd, Backofen, Handys, Mixer, Smarthome-Steckdosen: 6-8 sind realistisch. Achte darauf, dass sie nicht hinter Möbeln liegen. Die besten Positionen sind unter der Arbeitsplatte, an der Wand neben dem Herd und an der Wand gegenüber dem Küchentisch.
- Badezimmer: Nur eine Steckdose ist Pflicht - und die muss mindestens 60 cm von der Dusche, der Badewanne oder der Toilette entfernt sein. Sie ist für Rasierer oder Zahnbürstenladegeräte gedacht. Eine zweite Steckdose, etwa bei der Waschmaschine, ist sinnvoll, aber nicht Pflicht.
- Flur: Mindestens eine Steckdose - aber warum nicht zwei? Für eine Lampe, einen Staubsauger oder ein Ladegerät. Und ein Lichtschalter am Anfang und am Ende des Flurs - das ist Pflicht, wenn er länger als 3 Meter ist.
- Arbeitszimmer: Hier wird’s kritisch. Die Norm sagt 2 Steckdosen - aber du brauchst mindestens 6: für PC, Monitor, Drucker, Lampe, Router, Ladegeräte, Smart-Home-Controller. Experten wie Prof. Dr. Klaus Meier von der TU München empfehlen, hier 20-30 % mehr als die Norm verlangt zu installieren. Denn wer heute einen Laptop hat, hat morgen ein Tablet, eine Smartwatch und ein Headset.
Wo verlaufen die Kabel - und warum das wichtig ist
Es ist kein Zufall, dass Kabel in Wänden meist senkrecht nach oben oder unten laufen. Die DIN 18015 legt klare Installationszonen fest: Leitungen führen entweder 30 cm unter der Decke oder zwischen 15 und 30 cm über dem Boden. Das ist kein Vorschlag - das ist Vorschrift. Warum? Weil es die Sicherheit erhöht. Wenn du später ein Bild aufhängst oder ein Regal montierst, weißt du genau, wo du nicht bohren darfst. Wer das ignoriert, bohrt in eine Leitung - und das kann Stromschläge, Kurzschlüsse oder sogar Brände verursachen.
Ein Mieter aus Frankfurt berichtete 2024 auf Reddit, wie er beim Bohren in der Wand eine Stromleitung traf - und danach gelernt hat, dass diese Zonen nicht nur Norm, sondern Überlebensregel sind. Ein Ortungsgerät ist in jedem Fall Pflicht, bevor du in eine Wand greifst. Und wenn du bauen lässt, verlange einen Lageplan der Leitungen. Die Initiative ELEKTRO+ empfiehlt das ausdrücklich: Eine saubere Dokumentation spart später Zeit, Geld und Nerven.
Was du heute planst, wirst du morgen bereuen - oder lieben
Die Norm von 2021 ist schon modern - aber sie reicht nicht mehr aus. Wir leben in einer Zeit, in der jedes Gerät mit Strom versorgt werden muss: Smarte Lampen, Sprachassistenten, WLAN-Router, Ladestationen für E-Bikes, elektrische Zahnbürsten, Smart-Home-Zentrale, Fernseher, Spielekonsolen, Laptops, Tablets, Smartphones - und das alles gleichzeitig. Die DIN 18015 geht von 2021 aus, aber die Realität ist 2026.
Ein Elektroinstallateur aus Köln beschrieb es so: „Bei Neubauten frage ich immer: Wie viele Geräte hast du? Und wie viele wirst du in fünf Jahren haben?“ Die Antwort: fast immer mehr als gedacht. Deshalb gilt: Wenn du die Norm erfüllst, hast du das Minimum. Wenn du 20-30 % mehr Steckdosen einplanst, hast du Komfort. Und wenn du 50 % mehr einbaust, hast du Zukunftssicherheit.
Insbesondere in Wohnzimmern, Arbeitszimmern und Küchen solltest du immer ein paar zusätzliche Steckdosen einplanen - am besten als „Reserveanschlüsse“ an einer freien Wand. Die sind später Gold wert. Und vergiss nicht: Auch WLAN-Accesspoints brauchen Strom. Ein Smart-Home-Gateway an der Decke? Braucht eine Steckdose. Ein Smart-Lichtsensor an der Wand? Braucht eine Steckdose. Jedes Gerät, das nicht batteriebetrieben ist, braucht Strom - und du musst es planen, bevor die Wand verputzt ist.
Praktische Tipps von der Praxis
- Verwende 5-fach-Rahmen: Sie halten den genauen Abstand von 71 mm und sehen professionell aus. Ein einzelner 3-fach-Rahmen mit Lücken zwischen den Steckdosen wirkt unordentlich.
- Steckdosen 30 cm von Ecken entfernt: So vermeidest du, dass Möbel sie verdecken. Das ist nicht nur ästhetisch, sondern auch funktionell.
- Verteile gleichmäßig: Kein Raum sollte nur an einer Wand mit Steckdosen ausgestattet sein. Verteile sie auf mindestens zwei Wände - so kannst du Möbel flexibler stellen.
- Dokumentiere alles: Lass dir einen Schaltplan geben, der zeigt, wo jede Leitung verläuft. Das ist nicht nur für dich wichtig - es ist Pflicht für den Elektroinstallateur.
- Denke an die Zukunft: Wenn du ein E-Fahrzeug hast oder planst, brauchst du eine Ladesäule. Die braucht einen eigenen Stromkreis - und das sollte in der Planung mit einkalkuliert werden.
Die Handwerkskammer München sagt: „Eine durchschnittliche 3-Zimmer-Wohnung braucht mindestens 2-3 Wochen Planungszeit.“ Das klingt viel - aber was ist der Preis, wenn du später alles wieder aufreißen musst? Ein paar Stunden mehr Planung sparen dir Tausende an Renovierungskosten.
Was kommt als Nächstes? Die Norm wird weitergezogen
Die VDE hat im März 2024 eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um die DIN 18015 bis 2025 zu überarbeiten. Die nächste Version wird voraussichtlich die Mindestanzahl der Steckdosen in Wohn- und Arbeitsräumen um 25 % erhöhen. Warum? Weil die Digitalisierung des Wohnens nicht aufhört. Jedes neue Gerät, jede neue Technik, jede neue Art der Vernetzung braucht Strom - und das wird in der Norm bald offiziell anerkannt.
Was das für dich bedeutet: Wenn du jetzt planst, solltest du nicht nur die Norm einhalten - du solltest sie übertreffen. Denn was heute als „zu viel“ gilt, ist morgen Standard. Und wer heute vorausschaut, hat morgen mehr Komfort, mehr Sicherheit und weniger Stress.
Muss ich die DIN 18015 wirklich einhalten, wenn ich selbst baue?
Ja, wenn du ein Wohngebäude baust oder umfassend renovierst, ist die Einhaltung der DIN 18015 gesetzlich vorgeschrieben. Die Abnahme durch den TÜV oder DEKRA prüft genau diese Punkte. Wer die Norm ignoriert, riskiert keine Abnahme, keine Versicherung und später hohe Nachrüstungskosten. Selbst wenn du selbst arbeitest - du brauchst einen Elektroinstallateur mit Zulassung, der die Installation gemäß Norm ausführt und dokumentiert.
Kann ich Steckdosen höher als 150 cm einbauen?
Technisch ja - aber nicht sinnvoll. Die Norm legt 150 cm als oberste Grenze fest, weil alles darüber nicht mehr erreichbar ist. Ein Steckdose über dem Schrank ist nutzlos. Es gibt Ausnahmen, etwa für spezielle Geräte wie Deckenlampen mit eingebauter Steckdose - aber das ist keine Regel, sondern eine Sonderlösung. Für den Alltag gilt: Bleib zwischen 30 cm und 150 cm.
Warum sind in der Küche so viele Steckdosen nötig?
Weil die Küche das Herzstück der modernen Wohnung ist. Hier arbeitest du mit vielen Geräten gleichzeitig: Kaffeemaschine, Toaster, Mixer, Spülmaschine, Herd, Backofen, Handys, Ladegeräte, Smart-Home-Steckdosen. Die alte Regel von 3 Steckdosen reicht nicht mehr - du brauchst mindestens 6-8, verteilt auf Arbeitsplatte, Wand und Nebenwand. Und alle müssen zugänglich sein - nicht versteckt hinter Küchenschränken.
Was ist mit Smart-Home-Geräten? Brauchen die auch Steckdosen?
Ja, fast alle. Smarte Lampen, Sensoren, Router, Gateways, Lautsprecher - sie alle brauchen Strom. Die DIN 18015-2021 berücksichtigt das bereits, indem sie die Installation von WLAN-Accesspoints in der oberen Installationszone erlaubt. Aber die Norm sagt nicht, wie viele du brauchst. Deshalb: Plan mindestens eine Steckdose pro Smart-Home-Gerät ein - und noch eine als Reserve. Sonst hast du später nur noch Kabelsalat.
Ist es teurer, mehr Steckdosen einzubauen?
Nicht wirklich. Eine zusätzliche Steckdose kostet im Neubau etwa 30-50 Euro, inklusive Leitung und Montage. Das ist weniger als ein guter Steckdosenleiste. Und wenn du später eine Wand aufreißen musst, um eine Steckdose nachzurüsten, kostet das 500-1.000 Euro. Die Investition lohnt sich - und zwar doppelt.
Was passiert, wenn ich eine Leitung beim Bohren treffe?
Du riskierst Stromschlag, Kurzschluss oder Brand. Deshalb ist ein Ortungsgerät Pflicht - und du solltest immer den Lageplan der Leitungen konsultieren. Die Installationszonen nach DIN 18015 (15-30 cm über Boden, 30 cm unter Decke) sind genau dafür da: Damit du weißt, wo du bohren kannst und wo nicht. Wer das ignoriert, handelt fahrlässig - und das kann teuer werden.