Wenn du dein Haus sanierst und neue Fenster einbaust, dämmst du die Wände oder renovierst die Fassade - dann passiert oft etwas, das niemand vorher bedacht hat: Die Luft bleibt stecken. Nicht weil es zu kalt ist, sondern weil es zu dicht ist. Moderne Dämmung hält die Wärme drinnen, aber sie hält auch die Feuchtigkeit drinnen. Und das führt zu Schimmel, zu feuchten Wänden, zu einem unangenehmen Raumklima. Die alte Lösung - Fenster aufreißen - funktioniert heute nicht mehr. Warum? Und was kommt stattdessen? Hier ist der klare Vergleich zwischen Fensterlüftung, dezentraler und zentraler Lüftungsanlage - für echte Sanierungen, nicht für Theorie.
Warum Fensterlüftung in modernisierten Häusern nicht mehr reicht
Viele denken: Ich lüfte doch regelmäßig. Ich mache das Fenster jeden Morgen auf, ein paar Minuten Kippstellung, abends nochmal. Klingt vernünftig. Aber in einem Haus mit neuen Isolierverglasungen, gedämmten Außenwänden und luftdichten Fenstern ist das nicht mehr genug. Die DIN 1946-6 sagt klar: Wenn du mehr als ein Drittel der Fenster oder Dämmung erneuerst, musst du ein Lüftungskonzept haben. Kein Vorschlag. Kein Rat. Eine Pflicht.Warum? Weil Fensterlüftung unregelmäßig ist. Du vergisst es, wenn du spät nach Hause kommst. Du machst es nur kurz, weil es kalt ist. Und du lüftest oft nur gekippt - das ist ineffizient. Bei Kippstellung strömt kaum Luft durch, die Feuchtigkeit bleibt hängen. Und wenn du doch mal richtig lüftest, verlierst du bis zu 80 Prozent der Wärme, die du gerade mit der neuen Dämmung eingespart hast. Das ist wie ein Heizkörper aufmachen, während die Heizung läuft.
Stell dir vor: Du hast ein Energiesparhaus nach KfW 70. Keine Fensterlüftung. Keine Luftwechsel. Dann sammelt sich Feuchtigkeit in der Dämmung. Sie wird nass. Und dann? Schimmel. Und das nicht nur an der Wand - sondern in der Dämmung. Und das ist teuer. Und gefährlich. Fensterlüftung ist kein Lüftungskonzept. Sie ist ein Notbehelf - und bei modernen Sanierungen ein Risiko.
Dezentrale Lüftungsanlagen: Die sanfte Lösung für Altbauten
Wenn du in einem Altbau lebst, der nicht komplett umgebaut werden soll, dann ist die dezentrale Lüftungsanlage deine beste Option. Sie funktioniert raumweise. In jeder Wohnung, in jedem Raum - Bad, Küche, Schlafzimmer - wird ein kleines Gerät in die Außenwand eingebaut. Keine langen Kanäle. Keine Deckenverkleidungen. Keine aufgerissenen Wände.Wie es funktioniert: Ein Gerät saugt die verbrauchte Luft aus dem Raum ab und führt gleichzeitig frische Luft von draußen ein. Und das Beste: Es gewinnt bis zu 50 Prozent der Wärme aus der Abluft zurück. Die kalte Außenluft wird also mit der warmen, abgezogenen Luft vorgewärmt. Kein Energieverlust. Kein kalter Luftzug. Und es läuft fast lautlos. Die Geräte sind so konstruiert, dass die Luft sanft einströmt - ohne Zug.
Die Installation ist einfach. In der Außenwand wird eine Kernbohrung gemacht. Ein Kabel für Strom wird gelegt. Fertig. Keine Baustelle. Kein Staub. Keine Monate. Und du kannst es nachträglich machen - nur im Bad, nur in der Küche, oder in allen Räumen. Besonders in Etagenwohnungen, wo du keine Kanäle durch mehrere Geschosse legen kannst, ist das die einzige praktikable Lösung.
Die Nachteile? Du hast mehrere Geräte. Das heißt: mehr Wartung. Jedes Gerät braucht Filter. Die musst du alle paar Monate wechseln. Und es verbraucht Strom. Aber das ist ein kleiner Preis für einen konstanten Luftaustausch, der Schimmel verhindert und die Heizkosten senkt. Und: Viele Förderprogramme, wie vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), unterstützen dezentrale Systeme mit Wärmerückgewinnung. Das macht sie oft sogar günstiger als Fensterlüftung - wenn du die Energiekosten über fünf Jahre rechnest.
Zentrale Lüftungsanlagen: Für Neubau und umfassende Sanierung
Wenn du dein Haus komplett sanierst - Dach, Wände, Fenster, Fußboden - und du genug Platz hast, dann ist die zentrale Lüftungsanlage die effizienteste Lösung. Sie ist wie das Herz des Hauses: Ein Gerät, meist im Keller oder in einem technischen Raum, saugt Luft von draußen an, filtert sie, erwärmt sie mit der Wärme der abgezogenen Luft und verteilt sie über Kanäle in alle Räume. Gleichzeitig wird die abgestandene Luft aus Küche, Bad und WC abgesaugt und nach draußen geführt.Der große Vorteil? Du bekommst bis zu 90 Prozent der Wärme zurück. Das ist deutlich mehr als bei dezentralen Systemen. Die Luft ist immer gleichmäßig verteilt. Keine trockenen Räume, keine feuchten Ecken. Im Sommer kannst du sogar die Kühlfunktion nutzen - das System kühlt die Luft, wenn es draußen heiß ist. Und du brauchst kein Fenster mehr zu öffnen. Die Luft ist immer frisch, ohne Zug.
Aber: Es braucht Platz. Und Planung. Und Geld. Eine zentrale Anlage kostet zwischen 6.000 und 9.000 Euro, plus Installation. Und das ist nur, wenn du sie im Rohbau einbaust. In einem bestehenden Haus musst du Wände aufreißen, Decken öffnen, Kanäle verlegen. Das ist aufwändig. Und oft nicht rentabel. Nur bei umfassenden Sanierungen, wo ohnehin alles aufgerissen wird, macht sie Sinn.
Und hier ist der entscheidende Punkt: Eine zentrale Lüftungsanlage funktioniert nur, wenn du die Fenster nicht mehr öffnest. Wenn du weiterhin lüftest, verlierst du die Energieeinsparung. Das ist für viele gewöhnungsbedürftig. Aber es ist der einzige Weg, um das volle Potenzial eines Energiesparhauses zu nutzen. Du musst aufhören, an die alte Gewohnheit zu denken.
Was du wirklich brauchst: Ein Vergleich
| Merkmale | Fensterlüftung | Dezentrale Lüftung mit WRG | Zentrale Lüftung mit WRG |
|---|---|---|---|
| Wärmerückgewinnung | 0% | 40-50% | 80-90% |
| Nachrüstbarkeit | Ja, ohne Aufwand | Ja, mit minimalen Bohrungen | Nur bei umfassender Sanierung |
| Kosten (Einbau) | 0 € | 1.500-3.500 € pro Gerät | 6.000-9.000 € |
| Wartungsaufwand | Keiner | Mittel (Filter wechseln) | Hoch (Kanäle reinigen, Filter wechseln) |
| Energieverluste | Sehr hoch | Gering | Sehr gering |
| Förderfähigkeit | Nein | Ja (BAFA, KfW) | Ja (KfW 40, 55) |
| Empfohlen für | Nur Übergangslösung | Altbau, Etagenwohnung, Teilsanierung | Neubau, umfassende Sanierung |
Was siehst du? Fensterlüftung ist kein System. Sie ist ein Risiko. Dezentrale Systeme mit Wärmerückgewinnung sind die smarteste Lösung für die meisten Sanierungen. Sie sind flexibel, förderfähig und machen dein Haus gesünder - ohne dass du es umkrempeln musst. Zentrale Anlagen sind die Spitze der Technik - aber nur für Neubau oder wenn du ohnehin alles aufreißt.
Was du jetzt tun solltest
Wenn du gerade sanierst: Lass dich nicht von alten Gewohnheiten leiten. Wenn du mehr als ein Drittel der Fenster oder Dämmung erneuerst, hast du eine Pflicht - nicht eine Wahl. Und du hast drei Optionen:- Dezentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung: Wenn du in einem Altbau lebst, in einer Etagenwohnung oder nur einen Teil sanierst. Das ist die Standardlösung für 80 Prozent der Sanierungen in Österreich.
- Zentrale Lüftung: Nur, wenn du komplett umbaust - Dach, Wände, Fußboden, Heizung. Dann lohnt sich der Aufwand.
- Fensterlüftung: Nur, wenn du gar nichts machen willst. Aber dann akzeptierst du Schimmel, hohe Heizkosten und mögliche Bauschäden.
Und vergiss nicht: Förderungen. Dezentrale Systeme mit Wärmerückgewinnung sind oft mit 20-30 Prozent gefördert. Das kann dir tausende Euro sparen. Frag beim BAFA oder bei deiner regionalen Energieagentur nach. Die meisten wissen genau, was für dein Haus passt.
Ein Haus ist kein Kasten. Es atmet. Und wenn du es modernisierst, musst du es auch richtig atmen lassen. Sonst stirbt es langsam - von innen.
Kann ich Fensterlüftung einfach weitermachen, wenn ich dämmen lasse?
Nein. Wenn du mehr als ein Drittel der Fenster oder Dämmung erneuerst, ist nach DIN 1946-6 ein Lüftungskonzept Pflicht. Fensterlüftung erfüllt diese Anforderung nicht. Sie ist unregelmäßig, ineffizient und führt zu hohen Energieverlusten. In modernen, luftdichten Gebäuden sammelt sich Feuchtigkeit - das führt zu Schimmel in der Dämmung, was teure Bauschäden verursacht. Du kannst weiter lüften, aber du musst zusätzlich eine kontrollierte Lüftung installieren.
Ist eine dezentrale Lüftungsanlage laut?
Moderne Geräte sind so leise wie ein Kühlschrank. Die besten Modelle arbeiten mit niedriger Drehzahl und schalldämmenden Gehäusen. Die Geräuschkulisse liegt bei 20-30 Dezibel - also kaum hörbar, wenn du nicht direkt neben dem Gerät stehst. Die Luft strömt sanft ein, ohne Zug. Wenn du ein Gerät mit 40 Dezibel oder mehr hörst, ist es entweder schlecht installiert oder ein billiges Modell. Wähle ein Gerät mit guter Zertifizierung und schau auf die Angabe in dB(A).
Kann ich eine zentrale Lüftungsanlage in einem Altbau nachrüsten?
Theoretisch ja - aber praktisch fast nie. Eine zentrale Anlage braucht Luftkanäle durch Decken und Wände. Das bedeutet, dass du fast alle Decken öffnen musst, Wände aufreißen und Platz für die Zentrale im Keller oder Dachgeschoss schaffen. Das kostet oft mehr als 15.000 Euro. In den meisten Altbauten ist der Aufwand nicht gerechtfertigt. Dezentrale Systeme sind hier die bessere Wahl - sie sind günstiger, schneller und weniger invasiv.
Wie oft muss ich die Filter wechseln?
Bei dezentralen Systemen alle 3-6 Monate, bei zentralen Systemen alle 6-12 Monate. Die Filter sind einfach zu wechseln - meist mit einer Hand. Einige Geräte haben eine Warnlampe, die leuchtet, wenn ein Wechsel nötig ist. Wenn du die Filter nicht wechselst, verstopfen sie. Dann läuft die Anlage schlechter, die Luft wird nicht mehr richtig gefiltert, und der Stromverbrauch steigt. Das ist der einfachste Teil der Wartung - aber auch der wichtigste.
Macht eine Lüftungsanlage im Sommer auch kalt?
Einige zentrale Anlagen haben eine Kühlfunktion. Sie nutzen die Wärmerückgewinnung, um die heiße Außenluft vor der Einleitung in den Raum abzukühlen - ähnlich wie eine Klimaanlage. Das funktioniert aber nur, wenn das System speziell dafür ausgelegt ist. Dezentrale Systeme haben diese Funktion meist nicht. Wenn du in einem heißen Sommer lebst und eine Klimaanlage brauchst, solltest du beim Kauf auf diese Funktion achten - aber nur, wenn du eine zentrale Anlage planst.