Elektroinstallation in Wohnimmobilien prüfen: So erkennen Sie Sicherheitsmängel vor dem Kauf oder der Renovierung

Elektroinstallation in Wohnimmobilien prüfen: So erkennen Sie Sicherheitsmängel vor dem Kauf oder der Renovierung

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen eine alte Wohnung in Graz, alles sieht sauber aus - bis Sie einen verbrannten Steckdosenanschluss entdecken. Oder Sie haben gerade eine Photovoltaikanlage installiert, und plötzlich fliegt der Sicherungskasten raus. Solche Szenarien sind kein Zufall. Sie sind das Ergebnis von vernachlässigten Elektroinstallationen. In Österreich und Deutschland sterben jährlich Hunderte Menschen durch elektrische Unfälle, die hätten vermieden werden können. Die gute Nachricht: Mit einer einfachen Prüfung können Sie die meisten Risiken ausschalten. Hier erfahren Sie, was wirklich wichtig ist, wenn Sie eine Elektroinstallation in einer Wohnimmobilie überprüfen.

Warum Sie Ihre Elektroinstallation nicht ignorieren dürfen

Viele Hausbesitzer denken: „Die Leitungen sind doch schon seit 30 Jahren in Betrieb, die funktionieren doch noch.“ Aber Strom ist kein starrer, statischer Stoff. Kabel altern, Isolierungen werden brüchig, Verbindungen lockern sich durch Temperaturschwankungen. Ein einfacher Fehlerstromschutzschalter (RCD), der nicht mehr funktioniert, kann im Ernstfall lebensgefährlich sein. Laut der DIN VDE 0100-600 müssen Wohnimmobilien in Deutschland alle vier Jahre geprüft werden. In der Schweiz ist es alle 20 Jahre - aber nur, wenn kein Verkauf stattfindet. Und da liegt der Hase im Pfeffer: In der Schweiz ist eine Prüfung beim Immobilienverkauf gesetzlich vorgeschrieben. In Deutschland nicht. Das bedeutet: Viele Käufer unterschreiben den Kaufvertrag, ohne zu wissen, ob die Elektroinstallation sicher ist.

Ein E-Check von einem Innungsfachbetrieb ist kein Luxus. Er ist eine Lebensversicherung. Denn die meisten Todesfälle durch Strom sind keine Unfälle. Sie sind das Ergebnis von veralteten Anlagen, die nie geprüft wurden. Ein Gefrierschrank im Keller, der auf einer überlasteten Leitung läuft, kann eine Überhitzung verursachen. Eine Wallbox für das Elektroauto, die an eine alte Steckdose angeschlossen wird, kann einen Brand auslösen. Und wer glaubt, Smart Home Geräte seien unschuldig: Sie belasten die Leitungen - oft mehr, als der Hausbau vor 40 Jahren vorgesehen hat.

Was genau wird beim E-Check geprüft?

Ein professioneller E-Check ist kein flüchtiger Blick auf die Steckdosen. Es ist ein systematischer Prozess mit vier Säulen: Sichtprüfung, Messung, Funktionsprüfung und Dokumentation.

  • Sichtprüfung: Der Elektriker schaut sich den Sicherungskasten, alle Steckdosen, Lichtschalter und Kabelverläufe an. Er sucht nach verbrannten Stellen, lockeren Klemmen, feuchten Stellen oder Kabeln, die unter Teppichen verlegt wurden - ein klassischer Fehler, der oft übersehen wird.
  • Messung: Mit speziellen Geräten wird der Isolationswiderstand gemessen. Ein Wert unter 1 MΩ ist kritisch. Der Schutzleiterwiderstand wird überprüft - er darf nicht höher als 0,3 Ohm sein. Und der Erdungswiderstand wird kontrolliert, um sicherzustellen, dass im Fehlerfall der Strom sicher abgeleitet wird.
  • Funktionsprüfung: Jeder Fehlerstromschutzschalter (RCD) wird mit einem Testknopf ausgelöst. Wenn er nicht sofort abschaltet, ist er defekt. Auch die Leitungsschutzschalter (LS) werden geprüft, ob sie bei Überlast richtig reagieren. Und die Steckdosen werden auf richtige Polung und Erdung getestet.
  • Dokumentation: Am Ende erhalten Sie ein Prüfprotokoll. Darin steht, was geprüft wurde, welche Werte gemessen wurden und welche Mängel gefunden wurden. Dieses Dokument ist Ihr Nachweis - für Versicherungen, für Mieter, für den nächsten Käufer.

Ein guter Elektriker sagt Ihnen nicht nur, was kaputt ist. Er erklärt Ihnen auch, warum es gefährlich ist. Und er zeigt Ihnen, wie Sie selbst kleine Risiken vermeiden können - zum Beispiel, indem Sie keine Mehrfachsteckdosen an alte Leitungen hängen.

Die 5 häufigsten Sicherheitsmängel in Wohnimmobilien

Sie brauchen kein Elektriker zu sein, um die häufigsten Probleme zu erkennen. Hier sind die fünf größten Gefahrenquellen, die bei Prüfungen fast immer auftauchen:

  1. Kein Fehlerstromschutzschalter (RCD): In Häusern, die vor 1985 gebaut wurden, fehlt oft sogar der grundlegendste Schutz. Ein RCD rettet Leben, wenn jemand einen Stromschlag bekommt. Ohne ihn ist eine Steckdose ein Todesfall in der Warteschleife.
  2. Überlastete Stromkreise: Ein alter Stromkreis mit 16 Ampere kann heute nicht mehr mit einem Wasserkocher, einer Mikrowelle, einem Kaffeeautomat und einem Fernseher auskommen. Die Leitungen werden heiß, die Isolierung schmilzt - und dann kommt der Funke.
  3. Lockere oder verbrannte Steckdosen: Wenn eine Steckdose warm wird, wenn Sie einen Stecker hineinstecken, oder wenn sie rausfällt, wenn Sie daran ziehen - das ist kein „nur ein bisschen locker“. Das ist ein Brandrisiko. Die Kontakte sind verschlissen, der Strom springt über - und erzeugt Hitze.
  4. Keine Erdung: Viele alte Steckdosen haben nur zwei Löcher. Kein Erdungskontakt. Das ist legal, wenn die Anlage vor 1970 gebaut wurde - aber nicht sicher. Jedes Gerät mit Metallgehäuse (Waschmaschine, Herd, Kühlschrank) braucht Erdung. Sonst wird das Gehäuse unter Spannung gesetzt, wenn ein Defekt auftritt.
  5. Unzulässige Verlängerungskabel: Kabel, die unter Teppichen liegen, in der Wand versteckt oder mit Klebeband fixiert sind, sind verboten. Sie können nicht gekühlt werden, brechen leicht und sind schwer zu finden, wenn etwas schiefgeht.

Wenn Sie eines dieser Zeichen sehen - handeln Sie. Nicht morgen. Nicht nächstes Jahr. Jetzt.

Überfüllter Sicherungskasten mit veralteten Sicherungen und lose liegenden Kabeln in einem österreichischen Haus.

Wann ist eine Prüfung notwendig?

Sie müssen nicht warten, bis die vier Jahre um sind. Es gibt klare Anlässe, bei denen eine Prüfung Pflicht sein sollte - auch wenn sie nicht gesetzlich vorgeschrieben ist:

  • Beim Kauf einer Immobilie: Selbst wenn es keine Pflicht ist - fragen Sie nach dem letzten E-Check. Wenn keiner vorliegt, lassen Sie ihn machen. Der Preis von 150-300 Euro ist ein Schnäppchen, wenn Sie ein Haus mit lebensgefährlichen Mängeln vermeiden.
  • Beim Mieterwechsel: Ein neuer Mieter bringt neue Geräte mit. Eine alte Anlage kann das nicht aushalten. Ein Prüfprotokoll schützt Sie auch als Vermieter vor Haftungsansprüchen.
  • Bevor Sie eine Wallbox installieren: Eine Lademöglichkeit für ein Elektroauto zieht bis zu 11 kW. Das ist mehr als ein alter Hausanschluss je gedacht hat. Ohne Prüfung riskieren Sie einen Brand.
  • Bevor Sie eine Photovoltaikanlage anschließen: Die Wechselrichter erzeugen nicht nur Strom - sie verändern auch die elektrischen Ströme im Haus. Wenn die Anlage nicht auf diese Veränderungen ausgelegt ist, kann es zu Überlastungen kommen.
  • Nach einer Renovierung: Wenn Sie Wände aufgerissen, neue Leitungen verlegt oder die Elektrik erweitert haben, muss die gesamte Anlage neu geprüft werden. Nicht nur die neuen Teile.

Ein E-Check ist kein „wenn ich Zeit habe“. Es ist ein „wenn ich leben will“.

Was Sie selbst prüfen können - und was nicht

Sie können nicht alles selbst machen. Aber Sie können viel beobachten:

  • Prüfen Sie alle Steckdosen: Sind sie warm? Haben sie Risse? Funktioniert der Schutzkontakt? (Wenn der Stecker nur halb sitzt, ist das ein Zeichen.)
  • Testen Sie alle RCDs: Drücken Sie den Testknopf. Wenn er nicht abschaltet, ist er kaputt. Keine Ausreden. Kein „vielleicht“.
  • Sehen Sie sich den Sicherungskasten an: Ist er voll mit Kabeln? Sind die Leitungen durcheinander? Gibt es lose Drähte? Dann brauchen Sie einen Profi.
  • Prüfen Sie, ob es Steckdosen mit nur zwei Löchern gibt. Wenn ja - fragen Sie sich, ob das wirklich sicher ist.
  • Beachten Sie Geräusche: Ein leises Summen oder Knacken aus der Wand? Das ist kein „normaler Lärm“. Das ist Strom, der nicht mehr richtig fließt.

Was Sie nicht tun sollten: Kabel mit Klebeband flicken. Sicherungen mit Draht ersetzen. Mehrfachsteckdosen an Steckdosen hängen. Das ist nicht „Selbsthilfe“. Das ist Selbstmord mit Strom.

Kontrast zwischen sicheren modernen Elektroleitungen und veralteten, gefährlichen Kabeln in einem Wohnhaus.

Was passiert, wenn Mängel gefunden werden?

Ein E-Check endet nicht mit einem Protokoll. Er endet mit einer Handlung. Wenn Mängel festgestellt werden, erhalten Sie eine Mängelliste mit Fristen. Diese Fristen sind nicht willkürlich. Sie sind nach Schweregrad gestaffelt:

  • Kritisch: Kein RCD, überlastete Leitungen, keine Erdung - hier ist sofortige Handlung nötig. Die Anlage darf nicht mehr betrieben werden, bis die Mängel behoben sind.
  • Erheblich: Lockerer Schutzleiter, veraltete Sicherungen, fehlende Abschaltung - innerhalb von 3-6 Monaten beheben.
  • Gering: Abgenutzte Steckdosen, fehlende Kennzeichnung - innerhalb von 12 Monaten.

Wichtig: Der Elektriker, der die Prüfung macht, darf nicht auch die Reparatur machen. Das ist kein Zufall. Es geht um Unabhängigkeit. Ein Prüfer, der auch repariert, hat ein Interesse daran, Mängel zu verbergen. Ein unabhängiger Prüfer sagt die Wahrheit - auch wenn sie teuer ist.

Die Reparatur muss von einem konzessionierten Elektroinstallateur durchgeführt werden. Danach wird eine Nachprüfung gemacht - und erst dann erhalten Sie den E-Check-Stempel.

Was Sie beim Kauf einer Immobilie unbedingt fragen sollten

Wenn Sie eine Wohnung oder ein Haus kaufen, fragen Sie nach:

  • Dem letzten E-Check: Wann wurde er gemacht? Wer hat ihn durchgeführt?
  • Dem Prüfprotokoll: Können Sie eine Kopie sehen?
  • Dem Alter der Anlage: Ist sie vor 1980 installiert? Dann ist ein E-Check unumgänglich.
  • Dem Zustand der Steckdosen: Sind alle modern? Haben sie Schutzkontakt?
  • Ob eine Wallbox oder PV-Anlage geplant ist: Wenn ja, muss die Anlage dafür ausgelegt sein.

Wenn der Verkäufer zögert, das Protokoll vorzuzeigen - laufen Sie. Nicht weil Sie misstrauisch sind. Sondern weil Sie vernünftig sind.

Die Zukunft der Elektroprüfung: Was kommt?

Die Technik verändert sich. Und mit ihr die Anforderungen. In den nächsten fünf Jahren wird sich ein Trend verstärken: Versicherungen werden E-Checks zur Voraussetzung für den Versicherungsschutz machen. Schon jetzt verlangen viele Gewerbeversicherungen einen aktuellen Nachweis. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das auch für Wohngebäude gilt.

Digitalisierung macht die Prüfungen präziser. Moderne Messgeräte erkennen Mikrodefekte, die früher verborgen blieben. Digitale Protokolle werden automatisch an Behörden und Versicherungen übermittelt. In der Zukunft wird es vielleicht sogar eine App geben, die Ihnen zeigt, wie alt Ihre Leitungen sind - und ob sie noch sicher sind.

Was bleibt, ist die einfache Wahrheit: Elektrizität ist unsichtbar. Aber ihre Folgen sind greifbar. Ein Brand. Ein Todesfall. Eine Versicherungsleistung, die abgelehnt wird. Die Lösung ist nicht kompliziert. Sie ist einfach: Lassen Sie Ihre Elektroinstallation prüfen. Alle vier Jahre. Oder vor jedem großen Schritt. Denn Sicherheit kostet nicht viel. Aber der Preis des Nichtstuns ist unermesslich.

Wann ist eine Elektroinstallation in einer Wohnung prüfpflichtig?

In Deutschland ist eine regelmäßige Prüfung gemäß DIN VDE 0100-600 alle vier Jahre vorgeschrieben - aber nur für gewerbliche Nutzung. In Wohnimmobilien ist sie nicht gesetzlich verpflichtend, aber dringend empfohlen. Eine Prüfung ist jedoch zwingend erforderlich, wenn Sie die Immobilie verkaufen, sanieren, eine Wallbox oder Photovoltaikanlage installieren oder nach einem Brand oder Stromschlag. In der Schweiz ist eine Prüfung beim Verkauf gesetzlich vorgeschrieben.

Was kostet ein E-Check für eine Wohnung?

Ein E-Check für eine typische 3-Zimmer-Wohnung kostet zwischen 150 und 300 Euro, abhängig von der Größe, dem Alter der Anlage und der Region. In Graz oder Linz liegen die Preise meist im mittleren Bereich. Ein E-Check ist keine Ausgabe - es ist eine Investition in Sicherheit. Ein Brand oder ein Stromunfall kann Hunderttausende kosten.

Kann ich die Prüfung selbst machen?

Nein. Nur zertifizierte Elektrofachkräfte mit einer entsprechenden Berechtigung dürfen eine E-Check-Prüfung durchführen. Sie benötigen spezielle Messgeräte, die nicht im Baumarkt erhältlich sind, und das Fachwissen, um die Ergebnisse richtig zu bewerten. Selbst wenn Sie ein Elektriker sind - wenn Sie nicht zertifiziert sind, ist Ihr Prüfprotokoll rechtlich nicht gültig.

Was ist der Unterschied zwischen RCD und LS?

Ein RCD (Fehlerstromschutzschalter) schützt vor elektrischen Schlägen - er schaltet ab, wenn Strom in den Boden fließt, z. B. wenn jemand einen Stromschlag bekommt. Ein LS (Leitungsschutzschalter) schützt vor Überlast und Kurzschluss - er schaltet ab, wenn zu viel Strom durch eine Leitung fließt. Beide sind notwendig. Ein Haus ohne RCD ist gefährlich. Ein Haus ohne LS ist ein Brandrisiko.

Warum darf der Prüfer nicht auch reparieren?

Weil es ein Interessenkonflikt wäre. Wenn der gleiche Elektriker prüft und repariert, hat er ein finanzielles Interesse daran, Mängel zu verbergen oder zu verschleiern. Die Unabhängigkeit ist der Kern des Prüfprozesses. Deshalb muss das Kontrollorgan neutral sein. Der Prüfer dokumentiert, der Installateur repariert - und erst dann wird nachgeprüft. So bleibt die Sicherheit objektiv.

4 Kommentare

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    Viviana Richter Januar 26, 2026 AT 16:57

    Endlich mal ein Artikel, der nicht nur Angst macht, sondern wirklich hilft! 😊 Ich hab vor zwei Jahren eine 80er-Jahre-Wohnung gekauft und war total ahnungslos – bis ein Elektriker mir sagte: „Frau Richter, hier läuft was Schlimmes.“ Heute hab ich einen RCD, neue Leitungen und schlafe besser. Danke für diese klare Aufklärung!

    Wer jetzt denkt: „Ich hab Zeit“, der sollte sich mal vorstellen, wie es ist, wenn der Ofen brennt und der RCD nicht anspringt. Das ist kein Horrorfilm – das ist Realität.

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    Joshua Lehmann Januar 27, 2026 AT 18:27

    Ich hab letztes Jahr ne 1972er WG gekauft – kein RCD, keine Erdung, Steckdosen die rausfallen wie Kaugummi. Hab den E-Check gemacht, 220€ ausgegeben, 3 kritische Mängel gefunden. Jetzt ist alles top. Leute, das ist kein Luxus, das ist Überleben. Wenn ihr euer Haus nicht checken lasst, dann checkt wenigstens eure Steckdosen: Warm? Knackt es? Dann ab zum Elektriker – nicht morgen, heute.

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    Lilli Koisser Januar 28, 2026 AT 02:31

    Na endlich jemand der nicht nur von DIN-VDE schwafelt sondern endlich mal sagt was wirklich zählt – dass in Deutschland fast alles erlaubt ist solange es nicht explizit verboten ist. In Österreich hingegen würde man so eine Installation nicht mal als Garage durchgehen lassen. Aber nein, hier wird lieber ein billiger Kaufvertrag unterschrieben als 300 Euro für Sicherheit auszugeben. Typisch deutsch: Alles billig, bis es brennt.

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    Kean Wong Januar 28, 2026 AT 21:45

    Just had a friend’s flat in Berlin checked last month. Turned out the wiring was from the 60s, no RCD, and the breaker box looked like a spaghetti junction. The electrician said: ‘You’re lucky you didn’t die.’ That’s not dramatic. That’s data. This post isn’t fearmongering. It’s a public service.

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