Trittschalldämmung unter Laminat: So wird Ihr Mehrfamilienhaus wirklich ruhig

Trittschalldämmung unter Laminat: So wird Ihr Mehrfamilienhaus wirklich ruhig

Stellen Sie sich vor: Sie sitzen gemütlich auf dem Sofa, sehen einen Film, und plötzlich - knarrr - aus der Wohnung darüber. Jeder Schritt, jedes Herumlaufen, sogar das Hochheben eines Stuhls wird zu einem lauten, unangenehmen Geräusch. In Mehrfamilienhäusern ist das kein Einzelfall, sondern die Regel - wenn kein richtiger Schallschutz unter dem Laminat verbaut wurde. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Trittschalldämmung wird das Problem lösbar. Und es ist nicht mal schwer, es richtig zu machen.

Warum Laminat ohne Dämmung ein Problem ist

Laminat ist beliebt: schnell verlegt, günstig, pflegeleicht. Aber es ist auch hart. Wenn es direkt auf einen Estrich oder Betonboden geklebt wird, wird jeder Tritt zu einem Schlag auf den Untergrund. Der Lärm wandert durch die Deckenkonstruktion - und landet direkt in der Wohnung darunter. Die DIN 4109, die in Deutschland gültige Schallschutznorm, schreibt für Mehrfamilienhäuser einen maximalen Trittschallwert von 50 dB vor. In der Praxis sind viele Wohnungen deutlich schlechter. Messungen zeigen: Ohne Dämmung liegt der Lärm oft bei 60-70 dB. Das ist so laut wie ein lauter Fernseher aus nächster Nähe. Mit einer guten Trittschalldämmung sinkt dieser Wert auf 35-40 dB. Plötzlich ist das Leben darüber nicht mehr störend - nur noch wahrnehmbar.

Welche Materialien funktionieren wirklich?

Nicht jede Dämmung ist gleich. Die Wahl des Materials entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Hier die drei wichtigsten Typen im Vergleich:

Vergleich von Trittschalldämmungen unter Laminat
Material Dicke Schalldämmung (dB) Preis pro m² Stärken Schwächen
PE-Schaum 2-3 mm 15-18 dB 0,80-1,20 € Sehr günstig, leicht zu verlegen Verliert nach 2-3 Jahren Dämmwirkung, besonders bei Billigprodukten
Kork 4-6 mm 20-22 dB 2,50-3,80 € Beste Schalldämmung, natürlich, wärmedämmend Anfällig für Feuchtigkeit, nicht für Keller geeignet
Holzfaser 8-12 mm 18-19 dB 1,80-2,70 € Stabil, gut für Fußbodenheizung, umweltfreundlich Dicker, erfordert mehr Höhenraum

Die Stiftung Warentest hat 2023 Kork als bestes Material bewertet - mit Note "gut" (1,8). PE-Schaum bekam nur "befriedigend" (2,5), weil es zu schnell nachgibt. Wenn Sie langfristig Ruhe wollen, lohnt sich der Aufpreis für Kork oder Holzfaser. Besonders wenn Sie Fußbodenheizung haben: Holzfaser ist hier die beste Wahl, weil sie die Wärme besser leitet als Kork und trotzdem gut dämmt.

Was passiert, wenn Sie es falsch machen?

Die meisten Probleme entstehen nicht durch das Material, sondern durch die Verlegung. Hier die häufigsten Fehler:

  • Untergrund nicht eben: Mehr als 3 mm Unebenheit pro Meter - und die Dämmung bricht durch. Dann knarrt der Boden, egal wie teuer die Dämmung ist.
  • Keine Dampfsperre: Bei Estrichböden muss eine PE-Folie (0,2 mm dick) unter der Dämmung liegen. Sonst steigt Feuchtigkeit auf - und der Laminatboden quillt auf.
  • Fugen nicht versiegelt: Wenn die Bahnen der Dämmung nur nebeneinander liegen, entstehen Hohlräume. Das kann die Schalldämmung um bis zu 10 dB verschlechtern. Nutzen Sie immer spezielles Klebeband (mindestens 75 mm breit) an den Stoßstellen.
  • Keine Dehnungsfuge: Laminat dehnt sich. Wenn es an der Wand anliegt, biegt es sich und knarrt. Mindestens 10 mm Abstand zur Wand muss bleiben - und das gilt auch für die Dämmung darunter.
  • Nachträglich verlegen: Wer versucht, Dämmung unter bereits verlegtes Laminat zu schieben, macht es falsch. Das Ergebnis? Ein knarrender Boden und kein besseres Schallschutz-Ergebnis. Experten wie Dipl.-Ing. Thomas Weber bestätigen: Es geht nur bei Neuaufbau.

Ein Tipp von der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA): Verlegen Sie die Dämmung im 90°-Winkel zur Laminatverlegung. So vermeiden Sie, dass die Fugen der Dämmung genau unter den Fugen des Laminats liegen - ein klassischer Schallbrückeneffekt.

Querschnitt eines Fußbodens mit Schalldämmung aus Kork, die Lärm von 65 auf 38 dB reduziert.

Wie viel kostet das wirklich?

Ein Quadratmeter Korkdämmung kostet zwischen 2,50 und 3,80 €. Für eine 40 m² Wohnung sind das etwa 100-150 € Materialkosten. Dazu kommen Klebeband, Dampfsperre und ggf. Spezialwerkzeug - also rund 20 € mehr. Die Gesamtkosten liegen also bei 120-170 €. Klingt viel? Im Vergleich: Ein neuer Bodenbelag mit integriertem Schallschutz kostet oft das Doppelte. Und wenn Sie selbst verlegen, sparen Sie noch die Handwerkerkosten. Wer sich für PE-Schaum entscheidet, zahlt nur 30-50 € Material - aber riskiert, dass der Lärm nach zwei Jahren wieder zurückkommt. Das ist keine Einsparung - das ist eine Fehlinvestition.

Was tun, wenn der Boden schon verlegt ist?

Wenn Sie in eine Wohnung ziehen und der Boden schon liegt - und Sie hören jeden Schritt von oben - dann ist die Situation schwierig. Es gibt keine einfache Lösung. Eine Nachrüstung der Trittschalldämmung ist technisch nahezu unmöglich, ohne den Boden komplett zu entfernen. Die einzigen Optionen sind:

  • Teppich oder Läufer: Besonders vor dem Bett oder im Wohnzimmer. Reduziert den Lärm, den Sie hören - aber nicht den, den Sie verursachen.
  • Schallschutzmatte an der Decke: Wenn Sie die Wohnung darüber kontrollieren, könnte man dort eine Schalldämmung an der Decke anbringen. Aber das braucht Zustimmung des Eigentümers.
  • Stille Schuhe: Ein einfacher Trick: Hausschuhe oder Filzsohlen vermindern den Aufprall. Nicht perfekt - aber hilfreich.

Die beste Lösung bleibt: Beim nächsten Renovierungstermin den Boden komplett erneuern - und dann richtig dämmen.

Hände legen recycelte Korkdämmung auf einen ebenen Estrich, mit Klebeband und Filzschuhen.

Was ist neu im Jahr 2026?

Seit Anfang 2023 gibt es nachhaltige Optionen: Isover hat eine Trittschalldämmung aus 100 % recyceltem Kork auf den Markt gebracht - "GreenSound 600". Sie bietet laut Hersteller 8 % bessere Dämmleistung bei gleicher Dicke. Die DEGA bestätigt in ihrem Testbericht Nr. 12/2023: Solche Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen verbessern die Schalldämmung um 2-3 dB im Vergleich zu herkömmlichen Produkten. Das ist kein kleiner Unterschied - das macht den Unterschied zwischen "hörenbar" und "nicht störend".

Auch die Gesetze werden strenger. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) 2024 hat die Anforderungen an Schallschutz verschärft. Und die DEGA prognostiziert bis 2027 einen neuen Grenzwert: maximal 45 dB Trittschall. Das bedeutet: Wer heute noch mit PE-Schaum baut, macht sich für die Zukunft unvorbereitet. Investieren Sie jetzt in Kork oder Holzfaser - dann sind Sie auch in zehn Jahren noch auf der sicheren Seite.

Wie lange hält eine Trittschalldämmung?

Gute Dämmung hält so lange wie der Boden darüber - also 15-20 Jahre. Aber nur, wenn sie richtig verlegt wurde. Billige PE-Schaumprodukte unter 1 €/m² verlieren ihre Form, wenn sie über Jahre belastet werden. Dann wird der Boden knarrend - und der Schallschutz ist weg. Kork und Holzfaser sind dagegen stabil. Sie geben nicht nach, sie verformen sich nicht. Und sie sind resistent gegen Feuchtigkeit - solange die Dampfsperre richtig sitzt. Wer also auf Qualität setzt, hat langfristig weniger Ärger.

Was Experten sagen

Prof. Dr. Hans-Jürgen Kretzschmar vom Institut für Bauphysik in Dresden sagt: "Eine korrekt installierte Trittschalldämmung ist die wichtigste Maßnahme für Wohnkomfort in Mehrfamilienhäusern. Alles andere - von teuren Fenstern bis zu teuren Türen - ist zweitrangig, wenn der Boden Lärm durchlässt."

Und Dr. Markus Lehmann vom Institut für Schallschutz warnt: "Viele denken, Trittschalldämmung ist die Lösung. Aber sie ist nur ein Teil. Auch Wanddurchbrüche, Rohrleitungen oder Deckenanschlüsse können Lärm übertragen. Ein ganzheitlicher Ansatz ist nötig."

Das heißt: Dämmen Sie den Boden richtig - und achten Sie auch auf andere Schallbrücken. Aber fangen Sie dort an, wo der Lärm am stärksten ist: beim Boden.

Kann ich Trittschalldämmung nachträglich unter Laminat schieben?

Nein. Das funktioniert nicht. Versuchen Sie es nicht. Der Boden muss komplett entfernt werden, um die Dämmung richtig verlegen zu können. Wer versucht, Dämmung unter bestehendes Laminat zu schieben, schafft nur ein knarrendes, ungleichmäßiges Ergebnis - und hat keinen besseren Schallschutz.

Ist Kork wirklich die beste Wahl?

Ja - wenn es um Schalldämmung geht. Kork bietet mit 20-22 dB die beste Dämmleistung unter den gängigen Materialien. Die Stiftung Warentest hat es 2023 mit "gut" bewertet. Der Nachteil: Es ist empfindlich gegenüber Feuchtigkeit. Deshalb nicht im Keller oder in Bädern verwenden. In Wohnräumen mit Estrichboden ist es die beste Wahl.

Was ist mit Fußbodenheizung?

Sie brauchen eine Dämmung mit niedriger Wärmeleitfähigkeit - also unter 0,050 W/(m·K). Holzfaser ist hier die beste Wahl: Sie dämmt gut, leitet aber Wärme noch ausreichend weiter. Kork ist zu isolierend - er könnte die Heizung behindern. PE-Schaum ist oft zu dünn und verliert schnell seine Form.

Wie viel Dämmung brauche ich?

Mindestens 4 mm. Für Kork oder Holzfaser ist 5-6 mm ideal. Bei PE-Schaum reicht 3 mm - aber nur, wenn es hochwertig ist. Dünner als 3 mm ist sinnlos. Die DIN 4109 verlangt eine Mindestleistung von 15 dB - das erreicht nur eine Dämmung ab 4 mm Dicke zuverlässig.

Muss ich die Dämmung mit Klebeband verkleben?

Ja. Die Fugen zwischen den Bahnen müssen mit speziellem Aluminiumklebeband (mindestens 75 mm breit) versiegelt werden. Sonst entstehen Hohlräume - und der Schallschutz sinkt um bis zu 10 dB. Das Klebeband hält auch die Dämmung an Ort und Stelle, wenn Sie den Laminatboden verlegen.

Welche Marken sind empfehlenswert?

Isover, Knauf und Recticel sind die Marktführer. Isover bietet mit "GreenSound 600" eine nachhaltige Kork-Dämmung an, die seit 2023 erhältlich ist. Für den privaten Gebrauch reichen auch gut bewertete Produkte von OBI, Hornbach oder Bauhaus - solange sie die DIN 4109 erfüllen. Achten Sie auf den Schalldämmwert in dB - nicht nur auf die Dicke.

Wenn Sie in einem Mehrfamilienhaus wohnen - und Ruhe wollen - dann ist Trittschalldämmung unter Laminat kein Luxus. Es ist eine Notwendigkeit. Und wenn Sie sie richtig machen, dann ist das eine der wenigen Renovierungen, die wirklich spürbar besser macht - nicht nur für Sie, sondern auch für Ihre Nachbarn.